KONTROLLVERLUST | Agieren weshalb Wladimir mehr keinen Putins ergibt Sinn

„You can fool some of the people all of the time and all of the people some of the time, but you can not fool all of the people all of the time. /// Du kannst einige Menschen die ganze Zeit lang täuschen und viele Menschen eine Zeit lang, aber Du kannst nicht alle Menschen für alle Zeit täuschen.“ (Abraham Lincoln)

Auch zuvor sehr kontrolliert denkende und handelnde Menschen geraten in Stress, wenn sie sich in Situationen wiederfinden, die sie nicht verstehen. Dies nennt man auch Kontrollverlust. Ein sinnentstellter Satz gehört hierbei noch zu den harmlosesten Optionen. Viel komplexere Vorgänge, die ein Mensch nicht mehr aktiv zu steuern in der Lage ist, können dagegen eine toxische Wirkung auf dessen Wahrnehmung haben und dazu führen, dass plötzllich Muster erkannt werden, wo keine sind.

Russslands Präsident Wladimir Putin hat früher gerne berichtet, dass er als Kind in Sankt Petersburg gelernt habe, anzugreifen, wenn er in die Enge gedrängt wird. Nachdem sich sein zynisch „Sonderoperation zur Demilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine“ genannter Krieg alles andere als erfolgreich entwickelt hatte, er und sein Land nach den extrem harten Sanktionen des Westens wirtschaftlich und finanziell extrem unter Druck gerieten, ging er bei einer Videokonferenz in die Offensive und gab „dem Westen“ die alleinige Schuld dafür. Putins trotzige Ansage an die Nation: „Die Spezialoperation verläuft nach Plan“ und werde „bis zum Ende durchgeführt“ denn „das derzeitige Format ist das einzig mögliche“ um „einen Schlussstrich unter die globale Dominanz des Westens“ zu ziehen.

Seinen Kontrollverlust über das eigene Agieren zeigte sich in der Videorede an seine Minister und die Bevölkerung vor allem darin, dass er, ohne näher auf die genauen Gründe einzugehen, eine strategische Erweiterung seinr Ziele bekannt gab. Zu den Gründen, weshalb die Sonderoperation nicht nur wie angekündigt im Donbass durchgeführt werde, sondern in der gesamten Ukraine, sagte der Kreml-Chef den Russen, die Ukraine führe mithilfe der USA „Experimente mit der afrikanischen Schweinepest, Cholera und dem Coronavirus durch“ und versuche, biologische Waffen herzustellen, um diese gegen Russland einzusetzen. „In kurzer Zeit könnte das Pro-Nazi-Regime in Kiew Massenvernichtungswaffen in die Hände bekommen“ und deren Ziel wäre natürlich Russland. Denn der Westen wolle „unser Russland zerschlagen“ und „in ein schwaches, abhängiges Land verwandeln“ oder „zu löschen“. Deshalb werde er selbst, so Putin, „einen Schlussstrich unter die globale Dominanz des Westens ziehen.“ Der russische Präsident legte nach: Der Westen habe versucht, Russland in einem „wirtschaftlichen Blitzkrieg“ zu besiegen, doch obwohl sich viele Länder damit abgefunden hätten, mit gebeugtem Rücken zu leben: „Russland wird sich niemals in einem so erbärmlichen und gedemütigten Zustand befinden“, sagte Wladimir Putin in seiner Botschaft an die Nation.

Und er ging noch weiter: Der Westen setze auf die „fünfte Kolonne“, auf Verräter innerhalb Russlands und er ließ keinerlei Zweifel daran, wen er damit meinte – die Superreichen. „Ich verurteile keineswegs diejenigen, die eine Villa in Miami oder an der Côte d’Azur haben und auf Gänseleberpastete, Austern oder sog. geschlechtliche Freiheiten nicht verzichten können.“ Das sei absolut nicht das Problem, sondern die Tatsache, dass viele Oligarchen geistig bereits im Ausland leben würden. „Sie sind nicht hier, nicht bei unserem Volk, nicht bei Russland. Aber jedes Volk, und insbesondere das russische Volk, wird immer die wahren Patrioten von dem Abschaum und den Verrätern unterscheiden können und diese einfach ausspucken wie eine Mücke, die versehentlich in ihren Mund geflogen ist“, so Putin.

Zum Abschluss seiner Rede hatte Vladimir Putin dann noch väterliche Geschenke für sein Volk im Gepäck: Die Sozialleistungen und Renten sollen angehoben werden, sagte er. Die gesamte Rede belegt das Ausmaß des Kontrollverlustes des Kreml-Chefs, dem die Handlungsoptionen ausgehen, denn ohne irgendeinen Erfolg nachzuweisen, kann er seinen Bürgerinnen und Bürgern gegenüber die von ihm begonnene kriegerische „Sonderoperation“ mit den bekannt vielen Opfern niemals rechtfertigen.

Das Abhandenkommen der Herrschaft über Abläufe kann bei sog. Kontrollfreaks zu einer völlig anderen Einschätzung der Situation führen als bei unbeteiligten Beobachtern, die Angst hiervor begünstigt psychische Störungen. Beispielsweise dann, wenn eine Person Panik vor den möglichen Reaktionen anderer Menschen entwickelt. Aus der Historie weiß man: auf solche Reden, die von Staatsführern unter ähnlichen Umständen gehalten wurden, folgte oft eine weitere Eskalationsstufe des Krieges, die von außen betrachtet sinnlos war, denn sie diente allein dem Zweck, dem Gegner vermeintliche Stärke zu suggerieren. Diese weitere Eskalation könnte sein, biologische Waffen einzusetzen. Nur wenige Stunden vor Putins Rede hatte das russische Verteidigungsministerium der Ukraine vorgeworfen, unter falscher Flagge einen Chemiewaffenangriff auf die eigene Bevölkerung vorzubereiten – und die Schuld anschließend Russland zuzuschieben.

Fazit: Es warten schwere Zeiten auf die Menschen in beiden Ländern, denn Wladimir Putin hat sich selbst in die Enge gedrängt und aufgeben will er nicht.

Geschrieben von und © 2022 für Rainer W. Sauer / CBQ Verwaltungstraining

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