DIE APOKALYPSE | Was Johannes lt. der Bibel den Menschen offenbarte

„Es gibt für Unzählige nur ein Heilmittel – die Katastrophe.“ (Christian Morgenstern)

Wenn es um auf schreckliche, unerwartete und unkontrollierbare Ereignisse geht, wird oft von Katastrophen gesprochen. Kommt es zu einer Häufung solcher Katastrophen, werden ihne oft biblische Ausmaße zugesprochen. Als Beispiel werden dann auch die vier Reiter der Apokalypse bemüht, durch deren Wirken die Welt scheinbar aus den Fugen gerät. Doch was hat es damit auf sich?

Genauer betrachtet sind es nur wenige Verse aus der viele Hundert Seiten starken Bibel, in denen es um die Beschreibung der apokalyptischen Reiter geht. Erstaunlich ist, dass ein derart kurzer textlich Abschnitt eine derart große Wirkung entfaltet, wobei die bildliche Darstellung Albrecht Dürers und die musikalische Ausarbeitung von Aphrodites Child bis hin zu Metallica nur Nebenwirkungen sind. Die Metapher der apokalyptischen Reiter findet sich ganz zum Schluss im letzten Buch der Bibel, der Johannesoffenbarung (Offb 6,1–8) im Neuen Testament. Darin beschreibt der Seher Johannes – Jochanan im Aramäischen –, der einer der Jünger von Jesus Christus gewesen sein soll, eine ausgedehnte Vision, die er von Gott und Jesus empfangen habe. Ob er sich be ihm tatsächlich um den Apostel Johannes handelt (der Name war im antiken Judentum weitverbreitet), ist nicht sicher.

In seiner Vision wird Johannes in den Himmel Gottes transfomiert und kann dort den Allmächtigen auf seinem Thron sitzen sehen. Johannes darf miterleben, wie eim Lamm sieben Siegel einer Buchrolle öffnet, wobei das Öffnen der ersten vier Siegel durch ein nicht näher beschriebens himmlisches Wesen begleitet wird, dass „Komm!“ spricht, worauf jedes Mal ein anderer Reiter herbeigerufen wird. Die vier Reiter der Apokalypse können nicht von sich aus auf der Erde wirken, sondern nur dann, wenn Gott es ihnen erlaubt. Laut dem Theologen Prof. Dr. Nils Neumann von der Leibniz-Universität in Hannover sind sie weder Teil des Himmels noch der Hölle sondern Personifikationen irdischer Mächte, die das Leben aller Menschen bedrohen. Für welche Art der Bedrohung jeder einzelne Reiter steht, symbolisieren die Farbe seines Pferdes und Gegenstände, den er bei sich trägt.

Der erste Reiter sitzt auf einem weißen Pferd, hält einen Bogen in der Hand und trägt eine Krone, was dem Kampf und den Sieg symbolizieren soll. Ein feuerrotes Pferd trägt den zweiten Reiter, der ein Schwert bei sich führt , was Krieg symbolisiert. Der dritte Reiter sitzt auf einem schwarzen Roß und hält eine Waage in der Hand, was knappe Lebensmittel und eine damit verbundene Verteuerung der Waren bedeuten soll. Johannes beschreibt die Ankunft des vierten Reiters in seiner Offenbarung 6,8 wie folgt: „Und ich sah ein fahles Pferd. Und der darauf saß, dessen Name war: der Tod und die Hölle zog mit ihm einher.“

Das Öffnen der letzten drei Siegel löst verschiedene Naturkatastrophen aus. So bebt laut Johannes die Erde, der Mond färbt sich blutrot, Sterne fallen vom Himmel bis schließlich alles im „Jüngsten Gericht“ gipfelt. Schrecklich und gütig zugleich richtet der Allmächtige am Ende der Vision seine endgültige Herrschaft ein: die Trennung zwischen Himmel und Erde wird aufgehoben und alles Böse und alles Leid ist vernichtet. Die religiöse Strömung der „Apokalyptik“ – vom griechischen Begriff für „offenbaren“ – ist vor allem für diejenigen Menschen von Bedeutung, die (über die Jahrtausende hinweg) stets davon überzeugt waren, dass die Welt kurz vor ihrem Ende stehen werde.

Schreckliche Dinge, die weltweit passieren können, sind demnach Vorzeichen für das Weltenende, stehen jedoch niemals außerhalb der Kontrolle Gottes. Er ist nämlich – so die Dinge aus der Sicht der Gläubigen – keinesfalls machtlos gegenüber Katastrophen, sondern entscheidet sich dafür, die Menschheit nicht vor ihnen zu schützen. Denn nichts, was auf der Erde geschieht, geschieht gegen Gottes Willen, so die Botschaft auch der Johannesoffenbarung. Menschen werden in Gut und Böse unterteilt und wenn sich die meisten Menschen von Gott abwenden, destruktiv und undankbar sind, so die Auffassungt, wendet sich Gott seinerseits von ihnen ab und greift nicht mehr schützend ein. heißt: Weil Menschen, die Böses tun, sich mit ihren Handlungen letztlich selbst schaden, erfahren sie eine göttliche Strafe.

Gläubige neigen seit jeher dazu, die Aussage des Texts aus dem antiken Zusammenhang zu reißen und sie auf die Gegenwart zu interpretieren, obwohl die Offenbarung des Johannes mit antiken Möglichkeiten auf antike Herausforderungen reagiert. Eine Übertragung eins zu eins ist somit von vornherein unmöglich. Die Johannesoffenbarung inklusive der vier apokalyptischen Reiter als einen Text der Antike anzuerkennen, lässt heutige Personen nicht mehr als Akteure des apokalyptisch Bösen erscheinen oder Katastrophen im Sinne der Vision von Johannes zu deuten. Sie sind und bleiben einfach „nur“ böse oder katastrophal.

Geschrieben von und © 2022 für Rainer W. Sauer / CBQ Verwaltungstraining

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