PANIKATTACKEN | Katastrophendenken abschalten und Ruhe bewahren (1/2)

Rainer W. Sauer ist seit 1975 in und mit der Verwaltung tätig. Er zählt zu den erfahrensten Verwaltungstrainern in Deutschland und ist zudem Team- und Individual-Coach. Sauer arbeitet auch als Radiomoderator, Vortrags- bzw. Keynote-Redner, entwickelt mit seinem Team Trainingsmodelle und hat 2020 CBQ Verwaltungstraining gegründet, um Führungskräfte wie Mitarbeitende der Öffentlichen Verwaltung optimal zu trainieren bzw. zu coachen. /// Anhand vielfältiger Praxisbeispiele hilft er in diesem Blog Verwaltungen dabei, Optionen zu entwickeln und diese dann in praxisorientierte Ergebnisse zu wandeln, eigene Stärken auszubauen und sinnvoll zu handeln. Dabei regt er an, keine Ausreden gelten zu lassen, Eigenverantwortung zu übernehmen und lateral zu denken. /// Sein Charisma ist auch über den Äther und im Netz zu erleben: Anfang der 2000er Jahre wurde Rainer W. Sauer für seine Radiosendungen mit mehreren Hörfunkpreisen ausgezeichnet.


Das Gehirn jedes Menschen ist seit Hunderttausenden von Jahren auf den Umgang mit Gefahren trainiert. Was für Höhlenmenschen überlebenswichtig, das kann uns im Hier und Jetzt blockieren. Existenzängste, Sorgen um den Erfolg einer Sache, Beunruhigung wegen eines unangenehmen Gespräch oder – ganz aktuell – Furcht vor Kriegshandlungen kann unsere Seele betäuben, kann ein ganzes Leben ausbremsen. Selbst wenn wir ahnen oder wissen, dass die Dinge, die uns Angst machen, am Ende wahrscheinlich gar nicht eintreten werden: in unserem Kopf überschlagen sich die Gedanken und drehen sich im Kreis.

Solche Panikattacken sind urmenschlich. Im Laufe der Evolution sind moderne Menschen durch ihre Vorfahren daraufhin geprägt worden, das nähere oder weitere Umfeld auf Gefahren hin zu überprüfen. Und wenn wir uns in ungewohntem Terrain bewegen – beruflich wie privat – springt unser automatischer Gefahrenscanner an. Das allein ist noch nicht schlimm. Problematisch wird es immer dann, wenn unser Seelenradar in Kombination mit einem durch Panik attackiertem Verstand suggeriert, dass man über- oder unterreagieren muss, um die Gefahr zu vermeiden. Der Klassiker, den fast jeder kennt, ist: Man befürchtet den Eingang eines bestimmten Briefes und öffnet ihn oder andere Schriftstücke aus dem Briefkasten nicht, weil man Angst hat, dass das, was darinsteht, einem das Leben kräftig durcheinander bringt. Die Verdrängung von Gefahren durch einen Verzicht auf eine Auseinandersetzung damit, ist klassisch und führt im Beispielfall zu vollen Schubladen oder Bergen an unerledigten Sachen auf Tischen oder in Schränken, wobei der erwähnte Brief nach ganz unten gelegt wird.

Oder man soll im Kollegenkreis über eine Schulung oder ein Meeting berichten; alle warten schon darauf. Da kommen schnell Gedanken auf, an die eine oder andere Blamage, die man im Laufe des Lebens erleiden musste. Das führt dann wiederum dazu, dass man bei der Präsentation vielleicht den roten Faden verliert, einen Blackout hat oder Schlimmeres. Typisch für Panikattacken ist, dass man das eigene Denken derart überspitzt, dass man die eigene Realität nicht mehr wahrnimmt. Gedanken bauen sich auf wie eine Reihe von Dominosteinen und nur ein Schubs genügt und alles kippt in sich zusammen.

Um aus dieser Falle herauszukommen muss man für sich Methoden entwickeln oder mithilfe eines Coaches in sich entwickeln lassen, um dem Gedankenstress in ruhigere Gewässer zu verhelfen. Wenn wir uns ausschließlich ausmalen, was alles schiefgehen kann, wird es nicht gelingen, Panikattacken zu überwinden. Und das, obwohl wir vielleicht im Moment gerade zufrieden und glücklich waren. Das Problem liegt wirklich darin, dass unser Verstand unbewusst eben diesen über etliche Generationen geprägten Überlebensmodus einschaltet, wenn er annimmt, dass eine bestimmte Situation bedrohlich ist, obwohl dies objektiv mit großer Wahrscheinlichkeit gar nicht zutrifft. Schiebt man dem keinen geeigneten Riegel vor, sind wir in diesem Zustand nicht in der Lage, konstruktiv oder kreativ an die Gefahr heranzugehen. Fazit: Der Spielraum von Gestaltungsoptionen wird eng oder geht komplett verloren.

Wichtig ist, eine Lösung für die Panikattacke zu haben, die es dem Verstand im wahrsten Sinne des Wortes ermöglicht, sich aus dem Dilemma herauszuLÖSEN. Ein kleines Beispiel aus meiner Tätigkeit als Keynote-Speaker soll veranschaulichen, welches Problem ich in den ersten Jahren hatte und wie ich es für mich lösen konnte. Das Schlimmste für mich, was mir damals passieren konnte war es, als freier Redner den Faden zu verlieren. Was dann? Rede ich plötzlich dummes Zeug oder vielleicht gar nichts mehr? Grüble ich für alle sichtbar oder werde ich rot? Und dann: muss ich vielleicht – welche Blamage – ganz neu ansetzen?

Jahrelang beschäftigte mich das, bis mir eines Tages ein Professor seine Lösung für dieses Problem verriet. „Herr Sauer“, sagte er, „das ist doch kein Problem. Wenn es bei mir mal hakt, dann sage ich ‚Wie kam ich drauf?‘ mache eine kurze Kunstpause und sage dann ‚Egal …‘ und fange mit einer ganz anderen Sache an. Und wenn mir der Faden später wieder zufliegt, dann sage ich „Ich hatte ja vorhin über XYZ gesprochen. Lassen Sie mich dazu noch etwas bemerken.‘ Das ist alles.“ Und das war tatsächlich alles, was ich für mich in meiner Situation an Informationen gebraucht hatte. Diese Vorgehensweise habe ich adaptiert, weil sie Erkenntnis beinhaltet, dass es immer irgendwie weitergeht, wenn man als Speaker etwas zu erzählen hat. – Das war meine Los-Lösung von dieser Panikattacke und kann im übertragenen Sinn auch für Sie der erste Schritt sein, um Katastrophendenken zu überwinden: Lösen Sie sich heraus aus der Gedankenfalle!

Lesen Sie HIER Teil 2 des Artikels!

Geschrieben von und © 2022 für Rainer W. Sauer / CBQ Verwaltungstraining

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