VORTRÄGE, REDEN, KEYNOTES | Wie und wann ich sie vorbereite

„Die größte Befriedigung erfährt man, wenn man einer Sache über eine lange Zeit sein Herz und seine Seele schenkt – und sie es wert ist.“ (Steve Jobs)

Seit ich vor langer Zeit – das ist nun schon bald 40 Jahre her – als Verwaltungsmensch erstmals mit dem öffentlich–rechtlichen Rundfunk in Berührung kam, habe ich festgestellt, wie wichtig es ist, zu kommunizieren und vor allem richtig zu kommunizieren. Wenn ich heute Vorträge, Reden oder Keynotes ausarbeite, dann plane ich dies normalerweise zwischen drei und sechs Monaten vorher und sammele Unterthemen und Zitate, so kann ich wenn der Termin näher kommt noch daran arbeiten und wenn ich etwas Neues herausfinde, dann kann ich es in das Script einfügen.

Wahrscheinlich haben Sie schon einmal von der Bibelstelle gehört, an der Jesus zu seinen Jüngern sagt – und Jünger meint Lehrlinge und Schüler – „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Ich gehe hin, um dort alles für euch vorzubereiten. Und wenn alles bereit ist, werde ich zurückkommen, um euch zu mir zu holen.“ Natürlich ist das eine Metapher und übertragen auf die Vorbereitung einer Rede kann man sie so anwenden: Es gibt viele Wege zum Thema zu sprechen, die Vorbereitung ist wichtig und das Ziel muss sein, am Ende die Zuhörerinnen und Zuhörer zu sich zu holen, also sie zu faszinieren, zu beeindrucken, zu fesseln, mindestens aber, sie für eine bestimmte Zeit aus ihren sonstigen Gedanken zu holen und zum Thema zu führen.

Genauso funktioniert Kommunikation. Gute Kommunikation verbindet einen Menschen, aber auch eine Verwaltung, mit anderen und kann dafür sorgen, dass die Verbindung aufrecht erhalten bleibt, auch wenn der Kommunikator gegangen ist. Aktiv miteinander verbunden zu sein und vor allem es zu bleiben, das leistet erfolgreiche Kommunikation und dafür eröffnen sich viele Möglichkeiten. Wenn ich eine Keynote oder Rede schreibe – ich weiß nicht, wie das bei Ihnen ist, aber es gilt auf jeden Fall für mich – dann versuche ich, mich nicht selbt unter Druck zu setzen. Ich bin ein großer Fan von Zitaten. Ihre Sinnhaftigkeit inspiriert mich, bringt mich zum Nachdenken und ergibt neue Sichtweisen. Wenn ich in die bald fünf Jahrzehnte in und mit der Verwaltung zurückschaue, dann habe ich zwei Dinge gelernt. Erstens: neben tollen Zeiten gab es auch solche mit vielen Kämpfen und Tiefpunkten. Aber egal wie groß der Stress oder Frust war, niemals ist mein Vertrauen zerbrochen, dass es die Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter schaffen können, besser zu werden. Und zweitens: wenn man sich mit den Menschen beschäftigt, die für die und in der Verwaltung arbeiten, dann stellt man fest, dass sie Erwartungen und Wünsche haben und es bei der Frage, wie man helfen kann, niemals nur eine Lösung gibt.

Keynote Speaker – AdobeStock#296303883

Es ist fast wie in einer Ehe oder Beziehung, wenn man unter wertfreier Betrachtung feststellt, dass Männer manchmal etwas anderes brauchen als Frauen. Bei den fünf häufigsten Bedürfnissen der Männer steht das Spaß haben nicht nur mit der Partnerin sondern auch mit Freunden weit oben. Ob Kneipenbesuch, Sport treiben, Online- oder Kartenspielen oder Angeln gehen: Männern macht das Spaß, obwohl man sich oft kaum unterhält. Die Männer kommen dann nach Hause und die Frau fragt „Was habt ihr denn so getrieben?“ und ist enttäuscht, wenn der Mann kaum etwas berichten kann außer: „Ich hatte eine großartige Zeit..“

Denn bei den Frauen steht – das ist tatsächlich wissenschaftlich belegt – bei den fünf häufigsten Dingen die Konversation weit oben. Frauen kommunizieren gerne untereinander, erzählen sich die neuesten News aus dem Bekanntenkreis, schwärmen, lästern, berichten über Erfahrungen mit der Kita, dem Job oder dem Beruf. Da ist es manchmal fast wie ein Schlag ins Gesicht der Frau, wenn sie mit dem Mann über alles reden will und der fragt sie, worüber sie denn eigentlich reden will. Weiß man das, kann man in einer Beziehung lernen, damit umzugehen. Die Frau fragt dann weniger und wird auch nicht misstrauisch, wenn er nicht viel zu berichten hat, und er kann sein Bestes geben, mit ihr über alles zu reden, sei es tief gehend oder flach.

Wieder zurück bei dem Konzept für eine Keynote bringt es einen dazu, auf die Zuhörer einzugehen und zu versuchen mit Leichtigkeit auch tiefgehende Dinge anzusprechen. Eine Keynote ist in aller Regel nicht verdergründig eine Verkaufsveranstaltung, bei der der Speaker dem Publikum die Botschaft zu „verkaufen“ hat. Aber er führt es an die Botschaft heran, so dass die Zuhörerinnen und Zuhörer sie selbst entdecken können. Dieser Situation kann man auch in digitalen Veranstaltungen via zoom oder anderen Videoplattformen nahekommen, auch wenn man hierbei nicht mit dem Publikum interagieren kann.

Wichtig ist also einerseits die Zeit für die Vorbereitung der Keynote und dann die Ruhe, sie weiterzuentwickeln, zu verdichten, zu verinnerlichen. Andererseits ist es wichtig, sich Gedanken über die Adressaten der Keynote zu machen. Ich bin der Sender und die Gäste sind der Empfänger. Also mache ich mir bereits lange vor dem Event ein Bild, wie ich die verschiedenen Teile „meiner“ Zuhörerinnen und Zuhörer faszinieren will. Mein Anspruch ist immer, etwas übertrieben ausgedrückt, die prächtigste, anspruchsvollste und sensationellste Keynote aller Zeiten zu präsentieren. Das gelingt natürlich nicht immer, führt aber dazu, die Situation, die mich erwartet ernster zu nehmen, als es sonst vielleicht der Fall gewesen wäre.

Letzter Tipp von mir: „Stress hat man nicht, Stress macht man sich.“ Und so gehe ich auf die Bühne, wie ich es ebenso bei all meinen Musikkonzerten mache, und will dabei Spaß haben – Lampenfieber oder Bedenken stören da nur

Geschrieben von und © 2020 für Rainer W. Sauer / CBQ Verwaltungstraining

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