KLAR-TRÄUME IM SCHLAF | Obwohl sie Macht über uns haben, können wir sie steuern

Rainer W. Sauer ist seit 1975 in und mit der Verwaltung tätig. Er zählt zu den erfahrensten Verwaltungstrainern in Deutschland und ist zudem Team- und Individual-Coach. Sauer arbeitet auch als Radiomoderator, Vortrags- bzw. Keynote-Redner, entwickelt mit seinem Team Trainingsmodelle und hat 2020 CBQ Verwaltungstraining gegründet, um Führungskräfte wie Mitarbeitende der Öffentlichen Verwaltung optimal zu trainieren bzw. zu coachen. /// Anhand vielfältiger Praxisbeispiele hilft er in diesem Blog Verwaltungen dabei, Optionen zu entwickeln und diese dann in praxisorientierte Ergebnisse zu wandeln, eigene Stärken auszubauen und sinnvoll zu handeln. Dabei regt er an, keine Ausreden gelten zu lassen, Eigenverantwortung zu übernehmen und lateral zu denken. /// Sein Charisma ist auch über den Äther und im Netz zu erleben: Anfang der 2000er Jahre wurde Rainer W. Sauer für seine Radiosendungen mit mehreren Hörfunkpreisen ausgezeichnet.

„Is all that we see or seem, but a dream within a dream?“ / „Ist all das, was wir sehen und was uns erscheint, nicht ein Traum in einem Traum?“ (Edgar Allan Poe)

Obwohl wir gelegentlich der Meinung sind, als wären unsere Schlafträume völlig zufällig, haben sie doch Macht über uns. Andererseits können sie, über den Effekt einer kleinen Pause vom manchmal physisch und psychisch stressigen Alltag der realen Welt, können sie in vielerlei Hinsicht hilfreich sein. Die Palette der Möglichkeiten ist hierbei breit, angefangen dabei, uns kreativer zu machen, bis hin zur Verarbeitung von Trauer. Und gelingt es einem Menschen gelingt, luzide – also bewusst – zu träumen, habe man, so sagen es Schlafwissenschaftler, sogar mehr vom Schlaf.

Das Zitat von Edgar Allan Poe zu Beginn des Artikels habe ich bewusst gewählt, denn es stellt einem Menschen oft beim sog. Klar-Träumen und ist fast schon ein Indikator des Gehirns, sich im TRäumen eines luziden Traums bewusst zu werden. Oft beschreiben Menschen ihre Erfahrungen mit ihren Klarträumen als äußerst inspirierend: Musiker erzählen, ihnen wäre ein bestimmtes Lied während eines Traums eingefallen, Schriftsteller sagen, dass es bei dem Titel ihres Buches ebenso war, Erfinder notieren sich sofort nach dem Aufwachen die Ideen ihres Klar-Traumes. Und sie alle berichten, dass sie beim Schlafen sozusagen Regisseur des eigenen nächtlichen Films waren.

Den Aspekt, Träume bewusst zu beeinflussen, hat Drehbuchautor, Hollywood-Regisseur und -Produzent Christopher Nolan („Batman“-Trilogie,“ Tenet“, „Dunkirk“, „Interstellar“) in seinem Science-Fiction-Thriller „Inception“ umgesetzt. Darin bricht eine Gruppe von Bewusstseinsexperten in die Träume eines Individuums ein, um dessen Unterbewusstsein zu manipulieren. Der Protagonisten, gespielt von Leonardo DiCaprio, benutzt hierbei einen Kreisel, um Traum-Realität und Wirklichkeit auseinanderhalten zu können. Dreht sich der Kreisel endlos weiter, ist er im Traum, taumelt er und kippt anschließend, so ist DiCaprio in der echten Realität.

Ganz so einfach ist es außerhalb des Hollywood-Thrillers dann aber doch nicht, sagt Benjamin Baird von der University of Wisconsin-Madison, der sich mit der menschlichen Kognition beschäftigt. Zwar ist sich die Wissenschaft mittlerweile sicher, dass der sog. R.E.M.-Schlaf (= Die Phase des „Rapid Eye Movement“ – übersetzt: die schnelle Augenbewegung) eine Art vernachlässigte Ressource der Menschen sei, so Baird, „doch was wäre, wenn wir diesen Zustand nutzen könnten, indem Menschen tatsächlich die Kontrolle über ihre Gedanken und Handlungen haben und entscheiden können, was sie tun wollen?“ Seiner Ansicht nach liegt hier der Ansatz zum kreativen Lösen von Problemen.

Der Sport- und Traumforscher Daniel Erlacher, Professor an der Universität Bern, machte Mitte der 2000er Jahre mit einer speziellen experimentellen Forschungsarbeit Furore: sein Team und er beobachteten geübte Klar-Träumer, nachdem man ihnen zuvor vereinbarte Zeichen mit auf den Weg ins Traumland gegeben hatte, und zwar 2 x die Augen hin und her zu bewegen. Diese Bewegung ist auch bei geschlossenen Lidern zu erkennen und unterscheidet sich ausreichend von den schnellen Bewegungen des R.E.M.-Schlafs. Seine Probanden waren Sportler, die in der Folge bestimmte Übungen wie Kniebeugen im Traum machen sollten. Und in der Tat konnte Erlacher messen, dass sich die Atemfrequenz während der virtuellen Übungen erhöhte. Damit war der Beweis erbracht, dass durch virtuelles körperliches Training im Schlaf ein tatsächlicher körperlicher Effekt zu erzielen ist.

Eine wachsende Zahl von Wissenschaftlern in Schlaflabors auf der ganzen Welt hofft, mit jedem Tag mehr über das Klar-Träumen zu erfahren und zwar, wie es funktioniert, durch was man / frau es auslösen kann und wie man es einem Durchschnittsmenschen beibringen, luzides Träumen regelmäßig durchzuführen. Was bisher klar scheint: Klar-Träumen ist keinesfalls Veranlagung oder Talent. Durch die Untersuchung der Gehirnaktivität von Probanden, die in der Lage sind, sich an das zu erinnern, was sie in ihren Träumen „erlebt“ haben, analysieren Baird und seine Kollegen wie das Gehirn beispielsweise bestimmte Objekte oder physische Vorgänge wahrnimmt, die ausschließlich in der virtuellen Welt des eigenen Gehirn stattfinden. Wie reagiert unser Verstand während des Schlafs auf visuelle Eindrücke, die es in der echten Wirklichkeit gar nicht gibt? Wie funktioniert der rationale Teil unseres Denkzentrums, wenn Bewusstseinszustände nachgeahmt werden, die sonst nur im wachen Zustand aktiv sind.

Ein spannender Aspekt der Forschung, der auch der Arbeit in der Verwaltung im weitesten Sinne weiterhelfen kann.

Geschrieben von und © 2021 für Rainer W. Sauer / CBQ Verwaltungstraining

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