PLÄDOYER FÜR DEN BRIEF | Weshalb das Schreiben von Mitteilungen so wichtig ist

“Solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber schreiben. […] Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.” (Franz Kafka)

Eines meiner liebsten Filmzitate stammt aus „Forrester – Gefunden!“ (Originaltitel: Finding Forrester), einem der letzten Filme des schottischen Schauspielers Sean Connery. In diesem Drama aus dem Jahr 2000 über einen afroamerikanischen Jugendlichen namens Jamal Wallace, der in dem weltberühmten, gleichsam aber verbittert zurückgezogen lebenden, Buchautor William Forrester einen Mentor seiner eigenen literarischen Fähigkeiten findet, gibt Wallace Forrester beim endgültigen Abschied mit auf den Weg „…aber vergiss nicht, zu schreiben.“ – Er sagt nicht „…mir zu schreiben“ sondern einfach nur „…zu schreiben“.

Um es vorweg zu nehmen: wenn ich hier ein Plädoyer für den Brief an sich halte, dann meine ich damit im Grunde natürlich auch die Möglichkeit, dies in einer E-Mail zu machen, selbst wenn dabei das haptische Erlebnis verloren geht – ich selbst schreibe seit bald vierzig Jahren fast nur mit Füllfederhalter*. Wichtig ist, dass man beim Briefe schreiben Gedanken ausformulieren und mitteilen kann, umschreiben, neu entwickeln und so weiter, was auch via E-Mail geht, wenn man sich Zeit dafür lässt. Auch hier gilt die alte Regel, lieber noch einmal eine Nacht über einer Sache zu schlafen – das kann beim Schreiben eines Briefes wirklich hilfreich sein, denn am nächsten Tag geht man vielleicht wieder ganz anders an die Sache heran. Muss eine Mail-Nachricht aber schnell „raus“, dann kann / wird das kein Brief im klassischen Sinne werden sondern allenfalls eine Nachricht.

Über Jahrtausende schreiben sich Menschen Briefe und nahmen die Zeit in Kauf, bis der eigene Brief zugestellt und ein Antwortbrief geschreiben und zurückgesandt wurde. Die Kurierpost entstand ja einst nicht, weil Pakete zugestellt werden sollten sondern weil man sich Briefe schrieb. Die hob man auf und las sie später noch einmal oder sie wurden nach dem Tode von Angehörigen gelesen, die hieraus mitunter viele neue Erkenntnisse ziehen konnten, denn: in einem Brief kann ein Mensch Dinge beschreiben, über die ihm zu sprechen mitunter schwer fällt.

„Weißes Wölkchen“ vom Tee-Handels-Kontor Bremen – Foto: Rainer W. Sauer

Aber es gibt auch die „leichten“ Briefe, die einem gleichwohl am Herzen liegen können. So schreib ich beispielswese an den Tee-Handels-Kontor Bremen, dass mir eine Sache Kopfzerbrechen bereite. Die geschätzte Kollegin Sabine Asgodom hatte mir als passionierten Teetrinker die Mischung „Weißes Wölkchen“ eben dieses Tee-Handels-Kontors empfohlen und ich hatte ihn auch schon einige Male geordert, teilweise weiter verschenkt, weil er wirklich außergewöhnlich ist. Was mich aber wunderte war, dass es sich hierbei um weißen Tee handelte, auf dem Etikett der Verpackung aber in grün aufgedruckt „Grüner Tee“ zu lesen war.

Also schreib ich nach Bremen und bekam folgende Antwort: „Da weißer Tee sehr selten ist, wurden dafür noch keine extra Etiketten gefertigt. Der Tee ist ja ein Pai Mu Tan in weißer Variante, ansonsten gehört der Pai Mu Tan zu den Grüntees daher wurde dort dieses Etikett verwendet“, schreib mir Frau Janett Beatrice Ickrath, Leitung Auftragsbearbeitung und Kundenbetreuung, und fügte an: „Sie sind erst der zweite dem das auffällt. Ich gebe es aber gerne als Verbesserungsvorschlag für die Zukunft weiter.“

Sie sehen also: durch das Schreiben von Briefen kommuniziert man und Kommunikation baut Brücken zwischen Menschen. Weil ich eben Sabine Asgodom erwähnte: ihr schrieb ich einst einen langen Brief, nachdem ich viele Jahre mit ihr in Kontakt treten wollte, aber immer auf einen Zeitpunkt wartete, bei dem ich einen guten Grund dafür hatte. So gingen die Jahre ins Land und es wurden schließlich 12 Seiten. Sie las den Brief, meldete sich bei mir und der Kontakt war hergestellt.

Übrigens: Zeiten ändern sich, aber vieles bleibt sich gleich. So schrieb Heinrich von Treitschke 1871: „Unsere Briefe aber sind infolge der Schnelligkeit des Verkehrs und des billigen Portos so furchtbar inhaltslos geworden, daß man geistreiche Briefe wie in früheren Kulturperioden gar nicht mehr findet.“ – Das gilt wohl 150 Jahre später noch genauso wie damals.

* = Parker Rialto in Schwarz mit einer M-Feder

Geschrieben von und © 2021 für Rainer W. Sauer / CBQ Verwaltungstraining

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