NEGATIVE COMPAINING | Wenn alles schlecht geredet wird, was ein Kandidat macht

„Ich halte viel von Bescheidenheit, doch manchmal halte ich es auch mit Goethe: ‚Nur Lumpen sind bescheiden.‘ Im übrigen weiß ich als Politiker genau, dass ich erst bei meiner Grabrede erfahren werde, wie gut ich gewesen bin, denn bei jedem Wahlkampf höre ich, wie schlecht ich bin“. (Franz Josef Strauß)

Es ist eine kleiner Videoausschnitt, in dem CDU-Kanzlerkandidat Laschet im Hintergrund lacht, während Bundespräsident Steinmeier eine bewegende rede anlässlich der Zerstörungen und Menschenopfer der Flutkatstrophe in der EIfel hält. „Wie kann mann darüber lachen, dass Menschen gestorben sind“ skandiert ein Nutzer auf einer Social-Media-Plattform und postet den Ausschnitt, der tausendfach mit empörten Kommentaren weitergeleitet wird.

Wochen später ist die Popularität des Kanzlerkandidaten auf dem Sinkflug und wieder postet ein Social-Media-Nutzer einen Ausschnitt: Laschet betrifft ohne Mundschutz einen Imbiss seiner Heimatstadt Aachen und setzt erst dann die Maske auf. Die wenige Sekunden lange Sequenz aus einer ARD-Doku kommentiert der Nutzer mit den Worten: „Ich bin kein Mediziner, aber setzt man die Maske nicht vor dem Ladenbesuch auf? Eineinhalb Jahre Pandemie und nichts dazu gelernt.“ Wieder echoffieren sich viele andere Nutzer der Social-Media-Plattform. Pikant ist: der postende Nutzer ist Mitglied des „Teams Olaf Scholz“.

„Negative Campaining“ nennt man das, seitdem sich der Begriff der „Schlammschlacht“ abgenutzt hatte, und 2013 hatte beispielsweise SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück hierunter zu leiden, der damals ab einem bestimmten Zeitpunkt machen konnte, was er wollte: stets wurden vor allem seine Fehler und Pannen Thema. Da wundert es kaum, dass sich die Sozialdemokraten im Bundestagswahlkampf 2021 auf Armin Laschet konzentrierten. So attackierte eine von der SPD engagierte Werbeagentur in einem TV-Spot zuvor bereits den Laschet-Berater Nathanael Liminski: themaitisert wurden dessen religiösen Auffassungen und es wurde postuliert, dass wer für die CDU stimmt, der wähle auch, „Laschet-Vertraute, für die Sex vor der Ehe ein Tabu ist.“

Die absichtliche Verbreitung solcher Informationen kann zwar durchaus vom ehrlichen Wunsch des Social-Media-Nutzers beseelt sein, andere Menschen vor echten Gefahren oder Mängeln des Beschriebenen zu warnen. Oft genug steckt aber taktisches Kalkül dahinter, durch unredliche Methoden einen Rivalen zu beschädigen. Allerdngs gilt auch hier der Grundsatz: Man wird nicht dadurch besser, dass man andeer schlecht macht. Deshalb raten manche Wahlkampf-Strategen vom „Negative Compaigning“ ab, denn die mutmaßen, dass es ein Effekt des negativen Wahlkampfs sein kann, dass er zwar Unterstützung für den eigenen Kandidaten motiviert, gleichermaßen aber unentschlossene WählerInnen vom politischen Prozess entfremden, die Wahlbeteiligung verringern und die Politik insgesamt radikalisieren kann.

Geschrieben von und © 2021 für Rainer W. Sauer / CBQ Verwaltungstraining

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