NEBENBEI BEMERKT | Chinas langer Marsch zur Weltraumnation Nummer 1

Rainer W. Sauer arbeitet im Rahmen seines Verwaltungstrainings und Coachings und seiner GehirnmanagementLive-Veranstaltungen immer wieder mit Beispielen aus Naturwissenschaft und Technik. Seit 1968 interessiert er sich für Astronomie und die Erforschung des Weltraums, 1974 baute er sich selbst ein elekronisches Musikinstrument: einen Synthesizer. In der Rubrik „NEBENBEI BEMERKT“ geht es nicht um Verwaltungstraining oder -coaching sondern Sauer lässt seine LeserInnen hier an Themen aus technischen oder naturwissenschaftlichen Bereichen teilhaben, die ihn selbst interessieren.


Herrn Wu Ji, im gleichen Jahr geboren wie ich selbst, kann man getrost als die Graue Emminenz der Chinesischen Weltraumprogramme bezeichenen, war er doch von 1997 bis 2014 Direktor und Chefstratege des Zentrums für Weltraumwissenschaften und angewandte Forschung der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. In seinem Buch „Space Science & Technology in China: A Roadmap to 2050“ beschrieb Wu Ji bereits vor mehr als zehn Jahren den langfristigen strategischen Fahrplan im Land der Mitte für die Entwicklung von Weltraumwissenschaften und Technologien. Basierend auf den detaillierten Untersuchungen der Anforderungen an Innovationen fordert er China auf, sich auf diese neue Runde des Fortschritts umfassend vorzubereiten.

Unterstützt durch beispielhafte Abbildungen und umfassende Tabellen bot und bietet sein Buch Wissenschaftlern, Regierungsvertretern und Unternehmern Leitlinien in Bezug auf Forschungsrichtungen, den Planungsprozess und die notwendigen Investitionen bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts. Und ebenso präzise wie man sich bislang daran orientierte, verlaufen seither auch die einzelnen Weltraumoperationen der Nationalen Raumfahrtbehörde Chinas (CNSA). Angefangen bei der Erforschung des Erdmagnetfelds durch die Double Star Sonde, die Mondsonden Chang’e 1 bis Chang’e 5, das hochauflösende Erdbeobachtungssystem Gaofen, die Landung der Marssonde Tianwen-1 mit dem Rover Zhurong und die Errichtung der eigenen Weltraumstation im erdnahen Orbit von etwa 340 bis 420 km Höhe.

Die Cover von zwei Büchern, die im Springer-Verlag erschienen sind

Vor allem die innovativen Missionen Chang’e 4 (mit der erstmaligen Landung einer irdischen Sonde auf der Mondrückseite inklusive der Exkursionen eines unbemannten Mondrovers), Chang’e 5 (Landung nahe eines Vulkanmassivs im Oceanus Procellarum mit der Entnahme von Mondstaub- und Gesteinsproben und deren Rückführmission zur Erde) und Tianwen-1 (die Marssonde blieb so lange im Orbit um den Roten Planeten, bis eine geeignete Landestelle gefunden war, wurde anschließend sicher gelandet und Zhurong befährt seit Mai 2021 die Oberfläche des Erdnachbarn) überraschten und begeisterten weltweit. Allesamt in ihrer Durch- und Ausführung so bis dato von den führenden Weltraummächten USA, Russland oder Europa nicht umgesetzt. Zudem sucht das weltgrößte Radioteleskop in Pingtang in Südwestchina bereits seit 20216 nach den Ursprüngen des Universums und außerirdischem Leben.

Wer Wu Jis Nachfolgebuch „Calling Taikong: A Strategy Report and Study of China’s Future Space Science Missions“ intensiv liest, der sieht auch die Zusammenhänge der einzelnen Weltraum-Missionen. Als nächstes könnte eine Chang’e-5-ähnliche Sonde auf dem Mars landen und von dort Bodenproben zur Erde zurückbringen. Oder Taikonauten – wie die Weltraumfahrer genannt werden, die China seit 2003 als dritte Nation nach Russland und den USA aus eigener Kraft ins All schickt – können sich durch lange Ausdauerzeiten auf der Weltraumstation (die nach dem geplanten Ende der ISS ab 2028 konkurrenzlos ist) für längere Weltraummissionen vorbreiten, etwa Marslandungen, die dann wohl ebenso wie bei Chang’e und Tianwen aus einer Umlaufbahn heraus erfolgen werden. Chinas stärkste Trägerrakete trägt nicht umsonst den Namen Chángzhēng (deutsch = Langer Marsch): Bemannte Missionen zum Mars werden wohl bis zu 1100 Tage dauern.

Geschrieben von und © 2021 für Rainer W. Sauer / CBQ Verwaltungstraining

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