INSPIRATIONSKRAFT | Der Stoff aus dem die Träume sind (1/2)

„We are such stuff as dreams are made on.“ (sagt Prospero in „Der Sturm“ von William Shakespeare)

Vorbemerkung: Mit dem Konzept der „Inspiraterie“ hatte ich ja schon eine Möglichkeit genannt, das eigene Leben ein klein wenig selbst zu beeinflussen, indem man auf die Vorarbeit anderer zurückgreift, denn Aufforderungen wie „Sei doch mal kreativ…“ oder „Lassen Sie sich mal etwas einfallen…“ hört man oft, sei es aus der Familie hervon Bekannten, Kollegen oder gar der Chefin oder dem Chef. Wie ist das überhaupt mit Inspirationskraft und Kreativität? Gibt es die sozusagen „auf Knopfdruck“, ist innovatives Denken erlernbar oder gar erlebbar?

Der Neurowissenschafts-Entertainer Henning Beck sieht in der Inspiration eines Menschen ein Wechselspiel zwischen Konzentration und dem Abschweifen davon. Jede gute Idee beginne mit Schmerz, sagt Beck, und zwar in der Form, dass man sich über etwas aufregt, dass man unzufrieden ist. Denn wenn man sich auf ein nervendes Problem konzentriere, seien vor allem Regionen im Stirnbereich unseres celebralen Kontrollnetzwerks aktiv. Doch erst, wenn man das Problem sozusagen von außen betrachte, sich sozusagen von ihm löse und die Gedanken hierzu schweifen lässt, komme man laut Beck auf ungewöhnliche Lösungen.

Der Außenblick auf Verwaltungsabläufe ist auch für mich als Verwaltungstrainer und ZukunftsCoach ein essentiellen Element um möglichst unabhängige Perspektiven zu gewinnen und Konzepte für andere Herangehensweisen zu entwickeln. Alles erfassen, nichts übersehen, Eindrücke sammeln ist das Ziel, damit meine Klient:innen anschließend die meisten dieser Gedanken wieder verwerfen können, einige Punkte davon aber wiederum so angepasst nutzen werden, dass man für sich das Problem auf neuartige Weise lösen kann. Darüber hinaus ist aus der Praxis bekannt, dass man gute Ideen oft an ganz ungewöhnlichen Orten bekommt, also beispielsweise nicht am Arbeitsplatz sondern vielleicht beim Sport, unter der Dusche oder während Auto- oder Zugfahrten.

Dies kann durchaus daran liegen, dass man bei solchen Abläufen nicht mehr voll fokussiert auf die Tätigkeit ist bzw. denkt. Man joggt so vor sich hin und das Gehirn geht mit in einen gedanklichen Dauerlauf, wird stärker durchblutet und ist leistungsfähiger. In der Wissenschaft wird das tatsächlich als „mind wandering“ bezeichnet, gedankliches Umherschweifen – sozusagen der Gegenentwurf zur eher stupiden täglichen Arbeit. Genau dieses „Gedankenwandern“ ist laut Hennig Beck wichtig, um diejenigen Regionen des Geistes zu aktivieren, die sich neuronal mit den „Was wäre, wenn …“-Aspektrn befassen.

Und was fördert noch Kreativität und Inspirationskraft? Ganz klar das „Durchringen zu einer Pause“ im Arbeitsalltag, gekoppelt mit dem Mut, sich oder den Arbeitsauftrag zu hinterfragen. Leider werden wir Menschen dabei darauf „geeicht“ das zu tun, was von uns verlangt wird und unser Handeln möglichst nicht auf die Probe zu stellen. Selbst die sozialen Medien präsentieren jedem Menschen stets das, was angeblich am besten zu ihm passt, selten oder niemals das, was abwegig ist oder unserem Ego nicht schmeichelt.

Aus dieser Sackgasse für innovative Inspiration muss man sich lösen, muss erkennen, dass man selbst eigene Ideen entwickeln und zwar ohne Angst, damit könnte man sich blamieren und lächerlich machen. Durchforstet man die Geschichte, dann kann man feststellen, dass die Personen mit der größten Innovaionskraft stets kreative Querköpfe gewesen sind, die aneckten und als unbequem galten: Edison, Musk, Jobs, da Vinci, Gallilei, Mozart, Dalí und so weiter.

Genau das ist der Grund, sich selbst zu ermutigen, immer wieder etwas Neues auszuprobieren, selbst auf die Gefahr hin, dass es falsch ist.

Geschrieben von und © 2021 für Rainer W. Sauer / CBQ Verwaltungstraining

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