PROBLEME | Weshalb wir sie verschieben, anstatt sie zu lösen (1/3)

„Jedes Problem, das ich löste, wurde zu einer Regel, die später dazu diente, andere Probleme zu lösen.“ (René Descartes)

Der Begriff „Problem“ kommt aus dem Griechischen und beschreibt im Grunde „das, was (zur Lösung) vorgelegt wurde„. Aber es gibt einen Haken: Man kann sich Probleme nicht selbst aussuchen – heißt: Man kann im Leben oft nicht das machen, was man sich vorgenommen hat oder machen möchte, denn andauernd wird man mit Problemen konfrontiert, die nach Ansicht der Anderen darauf warten, dass eine bestimmte Person sich darum kümmern muss, oder besser ausgedrückt: GENAU SIE und niemand anderers soll sich um die Lösung kümmern.

Doch bereits die an sich einfache Aufgabe, sich Problemen zu stellen – also die Phase des „sich kümmerns“, lange vor einer koordinierten Problemlösung – bereitet vielen Menschen seelisches Ungemach. Prokrastinieren nennt man das: wir nehmen deshalb oft lieber eine Abkürzung und gehen direkt einen oder mehrere Schritte weiter, wie bei einer Ereigniskarte im Monopoly-Spiel, obwohl unserer Erfahrung uns lehrt, dass ein schnelles Anpacken von Problemen fast immer der beste Weg ist, um ebenso zügig wie zuverlässig zu einem befriedigendem Ergebnis zu kommen.

Weshalb tun wir das? Weil uns Konflikte oder Probleme unglücklich machen und davon abhalten, bestimmte Ziele schnell oder überhaupt zu erreichen. Außerdem benötigt das Anpacken von Konflikten und Problems regelmäßig zusätzlichen Zeit- und Energieaufwand, von dem wir annehmen, dass dieser dann an anderer Stelle fehlen wird. Deshalb ist Aufschieben auch keine wirkliche Faulheit, es sind eher (Achtung: Jetzt kommt ein schwieriges Wort!) EmotionsRegulationsDefizitEreignisse – von mir abgekürzt: ERDE©.

Einer meiner Leitsätze bei der Beratung von Verwaltungen, mittelständischen Betrieben und Unternehmen ist daher: „Ich bin nicht gekommen, um (ihre) Probleme zu verschieben, sondern, um sie zu lösen.“ Das Knackpunkt bei Konflikten ist oft tatsächlich die ERDE. Natürlich ist jede Konflikt- oder Problemsituation unterschiedlich, doch lässt sie sich in fünf einfache Schritte zerlegen, die Ihnen helfen, die Situation zielsicher zu meistern … als da wären: 1) Problem definieren /// 2) Analyse seiner Ursachen /// 3) Optionen zur Problemlösung finden /// 4) Abwägung der Vorschläge /// 5) Handeln.

Die US-Psychologen BRANSFORD, SHERWOOD und STURDEVAN haben das Ganze in einem Modell zusammengefasst, dass sie I.D.E.A.L. genannt haben, wobei die einzelnen Buchstaben Folgendes repräsentieren: – IDENTIFIZIERUNG bzw. Erkennen des Problems /// – DEFINITION des Problems, beispielsweise indem man eine Abweichung zwischen Ist- und Soll-Zustand feststellt /// – EVALUIEREN der möglichen Optionen und Alternativen zur Problemlösung /// – ANWENDEN der am besten erscheinenden Lösung /// – LAGEEINSCHÄTZUNG oder: Der Rückblick auf die Effekte und Konsequenzen der Problemlösung.

Es gibt in der Welt des Konfliktmanagements durchaus auch andere Methoden bzw. Wege, denn DIE perfekte Methode zur Auflösung von Problem- oder Konfliktsituationen gibt es nicht. Jede einzelne Ausgangssituation kann ein individueles Vorgehen erforderlich machen, um am Ende erfolgreich zu sein. Wenn Sie sich jedoch dazu entscheidet, die ERDE umzugestalten, also Probleme zu lösen, anstatt sie zu verschieben, finden die gängisten Problemlösungselemente Anwendung:

A) REFLEKTION: Diese Methode hilft dabei, die Konflikt- bzw. Problem-Ursache/n zu bestimmen, soll einen Lösungsweg anstoßen und dabei führen, zukünftig ähnliche Situationen zu verhindern. Dabei wird gleich mehrfach nach dem Problem- bzw. Konfliktgrund gefragt, wobei mit jedem neuen Zug immer weiter ins Detail vorgedrungen wird. Zum Beispiel: „Weshalb konnte ein Termin nicht eingehalten werden? = Weil es Probleme in der Zeitplanung gab, “ Warum gab es Probleme in der Zeitplanung?“ = Es lag ein Personalproblem vor. „Aus welchem grund lag ein Personalproblem vor?“ … und so weiter. Dieser Fragenablauf kann beliebig ergänzt werden, um sich der Problemlösung anzunähern.

B) WERTFREIE ANALYSE: Hierdurch verdeutlichen sich Abläufe ebenso wie Schwachstellen, die zu dem Problem geführt haben. Zudem lassen sich aber auch Potenziale verdeutlichen. Dabei werden die Prozesse, so weit dies möglich ist, systematisch analysiert und zeziert, bis man dem Problem auf den Grund gehen kann. Wichtig ist dabei jedoch der Grundsatz von Albert Einstein: „Probleme werden nie auf der Ebene gelöst, auf der sie entstanden sind.“ Heißt für Sie: Stecken Sie selbst inmitten eines Problems oder Konflikts, wird es Ihnen in allr Regel schwer fallen, den bzw. einen Ausweg zu erkennen. Aich hemmen Befindlichkeiten, persönliche Gefühle, Angst oder Wut eine wertfreie Betrachtung der Situation. Es braucht also Distanz, um das Kernproblem erkennen und fokussieren zu können.

C) LÖSUNGSFOKUSSIERTES HANDELN: Wer Konflikte lösen will oder Probleme ausschalten, dem hilft blinder Aktionismus wenig, weshalb es essentiell und wichtig ist, einen kühlen Kopf zu bewahren. Ein gut durchdachter und koordinierter Problemlösungsprozess ist daher bereits „die halbe Miete“, während die andere Hälfte mit dem Umfeld des Konflikts bzw. Problems zu tun hat. Gibt es hier (privat oder im Arbeitsprozess) Defizite, entstehen potentiell neue Probleme, bevor die bestehenden gelöst sind. Überhaupt nicht weiter bringen einen Schuldzuweisungen, worauf auch mein Leitsatz „Ich bin nicht gekommen, um Probleme zu verschieben …“ aufbaut.

Auch dafür gibt es eine Zeit, aber dem Thema ‚Schuld‘ im Konfliktlösugsprozess zu viel Platz einzuräumen, lenkt den Fokus von der strikten Problemlösung ab, denn – sofern keine Sabotage vorliegt – passieren Fehler selten vorsätzlich. Obwohl es einem selbst manchmal anders vorkommen mag, haben Untersuchungen ergeben, dass in weit über 90 Prozent der Fälle das Gegenteil zutrifft. So streben Mitarbeitende im Grunde danach, Arbeit möglichst gut zu erledigen. Fazit: Suchen Sie in der Phase der Problemlösung nach Schuldigen, dann hemmen Sie eher den Antrieb von Beschäftigten, eine passende Lösung präsentiert bekommen.

D) VIEL HILFT VIEL: Warum sollten einzelne Menschen oder ein kleines Team Arbeitsprobleme oder Konflikte auf sich alleine gestellt schnell und perfekt lösen können? Beschränken Sie sich daher im Lösungsprozess nicht von vorn herein nur auf einen kleinen Teil von Mitarbeitenden, sondern beziehen Sie so viele wie möglich mit ein. Sprechen Sie dann die Dinge offen an und bitten sie alle darum, sich Gedanken über eine mögliche Lösung zu machen. Motivieren Sie sie, denn je größer das Interesse Einzelner ist, desto besser werden die Ergebnisse sein.

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Hinweis: Infos zu meinem Seminar „PROBLEME – Weshalb wir sie verschieben anstatt sie zu lösen“ findet man u. a. HIER!

Geschrieben von Rainer W. Sauer und © 2023 für BRAIN.EVENTS / CBQ Verwaltungstraining

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