Rainer W. Sauer arbeitet im Rahmen seines Verwaltungstrainings und Coachings und seiner GehirnmanagementLive-Veranstaltungen immer wieder mit Beispielen aus Naturwissenschaft und Technik. Seit 1968 interessiert er sich für Astronomie und die Erforschung des Weltraums, 1974 baute er sich selbst ein elekronisches Musikinstrument: einen Synthesizer. In der Rubrik „NEBENBEI BEMERKT“ geht es nicht um Verwaltungstraining oder -coaching sondern Sauer lässt seine LeserInnen hier an Themen aus technischen oder naturwissenschaftlichen Bereichen teilhaben, die ihn selbst interessieren.
Astronomen und Astrophysiker gehen überwiegend davon aus, dass unser Universum – also das, was allgemein das Weltall genannt wird – vor ungefähr 13,8 Mrd. Jahren entstanden ist. Obwohl das rein akustisch mit keinem großen „Knall“, vonstatten ging, wird es „Urknall“ genannt, was auf ein Kuriosum zurückgeht: 1948 äußerte sich der britische Astronom Fred Hoyle in einer Radiosendung abschätzig über die Hypothese eines expandierenden Universums nach Edwin Hubble und Georges Lemaître und verspottete deren Startpunkt der Expansion abfällig als „Big Bang“ … ohne zu ahnen, dass er damit der Urknall-Theorie ein allgemeinpopuläres Label gab, das schnell zum allgemeinen Wortschatz der Menschheit wurde.
Vor rund 13,8 Mrd. Jahren befand sich das gesamte Universum mit all seiner Masse in einer Art Blase, x-mal kleiner als ein Stecknadelkopf – heißer und dichter als wir Menschen uns das vorstellen können. Mit einem Mal explodierte diese Mikroblase und das uns bekannte Weltall war geboren. Man geht davon aus, dass sich Raum, Zeit und Materie in einem Sekunden-Bruchteil (… unser Zeitauffassung …) von noch nicht einmal der Größe eines einzelnen Atoms zu etwas ausdehnte, das größer war als unsere Heimatgalaxie: die Milchstrasse. Und ab da wuchs es in einem unglaublichen Tempo weiter; noch heute dehnt sich das Universum aus. Durch die kontinuierliche Ausdehnung, verbunden mit der Abkühlung des Universums, verwandelte sich seine Energie in noch nicht einmal einer Sekunde in Materie und Antimaterie, die sich größtenteils gegenseitig zerstörten. Aber eine gewisse Menge an Materie blieb dennoch übrig, aus der sich, als das Universum rund eine Sekunde alt war, stabile Teilchen bildeten, die wir Protonen und Neutronen nennen.

Ob das alles stimmt und sich so zugetragen hat, weiß kein Mensch und bleibt deshalb eine Annahme. Will man wissen, wie unser Universum entstanden ist, dann muss man die Tiefen des Weltalls erkunden, denn je weiter Forschende und Wissenschaftler zurückblicken können, desto älter sind die Himmelskörper, die sie dabei sehen. Bislang ist es unmöglich 13,8 Mrd. Jahren zum Ursprung des Universum zurückzublicken … was auch daran liegt, dass es nach dem Urknall das lichtlose sogenannte „Dunkle Zeitalter“ (auch „Dark Ages“ genannt) gab. Nach etwa 500 Mio. Lichtjahre war das Universum so abgekühlt, dass sich die Elemente Wasserstoff und Helium bildeten, die sich nach und nach verdichteten, wodurch Gaswolken entstanden und die ersten Quasare und Galaxien prinzipiell Licht ins Universum brachte. Prinzipielll deshalb, weil noch über Hunderte Millionen Jahre viele Atome gab, die sich in der ersten Phase kurz nach dem Urknall gebildet hatten und neutral geladen waren. Erst nach rund einer Mrd. Jahren wurden sie ionisiert, sprich: positiv geladen, wodurch ionisiertes Plasma entstand und das Universum lichtdurchlässig wurde – ganz so, wie wir es heute kennen.
Das am weitesten entfernte Signal, das WissenschafterInnen laut eines Berichts der Website cnet.com gefunden haben, ist eine Radiowelle, die in Fachkreisen 21-cm-Linie oder H-Eins-Linie genannt wird. Sie wurde mithilfe des Metrewave Radio-Teleskops in Indien empfangen und hatte ihren Ursprung in einer Galaxie, deren Entfernung zur Erde rund 8,8 Mrd. Lichtjahre beträgt. Das heißt: Dieses Signal stammt aus einer Zeit lange bevor unser Sonnensystem überhaupt existierte und das Universum gerade einmal fünf Mrd. Jahre alt war. Dass es überhaupt registriert werden konnte und nicht schon „verblasst“ war, liegt daran, dass es Mithilfe des sog. „Gravitationslinseneffekts“ (bei dem die Gravitation anderer Himmelskörper das Signal wölbt und verbiegt) um das 30-fache verstärkt werden konnte.
Die an der Studie beteiligten Astronomen und Astrophysiker bezeichnen ihre Entdeckung als großen Schritt für die Wissenschaft, dann zum einen ließen die gewonnenen Einsichten Rückschlüsse auf die Zusammensetzungen anderer Galaxien in großer Distanz zur Erde zu und zum anderen das Beispiel, dass eine Kombination von Radio-Astronomie und Gravitatioslinseneffekten in der Lage ist, bislang unerreichbare Informationen über die Frühzeit des Universums aufzuspüren.
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Geschrieben und © 2023 von Rainer W. Sauer für CBQ Verwaltungstraining & BRAIN.EVENTS