MISSION VISION (2) | Freundlichkeit macht glücklich

„Ein glückliches Leben entsteht dadurch, dass man seine persönlichen Stärken jeden Tag in den wichtigsten Lebensbereichen nutzt. Das sinnvolle Leben fügt eine weitere Komponente hinzu: die Verwendung dieser gleichen Stärken, um Wissen, Macht oder Güte zu fördern.“ (Martin Seligman)

Die Frage danach, wie man ein glücklicheres Leben führt, wie man nachhaltig depressive Stimmungen, Niedergeschlagenheit und Pessimismus loswird, ist ein Thema, dass mindestens seit der Antike die Menschen bewegt. Lesen Sie hier in Teil 1 von „Mission Vision“, was der amerikanische Psychologe und Depressionsforscher Martin E. P. SELIGMAN einst über das, was man heutzutage als „positives Denken“ oder „Positive Psychologie“ bezeichnet, in wissenschaftlichen Studien untersucht hat.

Ein weiterer Faktor im Spiel der Emotionen in unserem Kopf, die in uns Glücksgefühle entstehen lassen, ist Freundlichkeit. Könnten wir selbst nur mehr davon bekommen, würden wir gerne auch mehr an unsere Mitmenschen weitergeben. Doch häufig empfinden wir den Kontakt mit anderen Menschen weniger als positiv, sondern eher als belastend, insbesondere angesichts der kontroversen Diskussionen und Debatten, die uns mental erschöpfen. Allerdings hat dies durchaus einen positiven Nebeneffekt: Durch Freundlichkeit wird es möglich, in zwischenmenschlichen Interaktionen – real oder im Social Media Bereich – positiv aufzufallen. Während laute und aggressive Äußerungen oft im Lärm der Diskussionen untergehen, bleibt ein freundliches Wort oft lange in unserer Erinnerung „hängen“, da es gerade in für uns schwierigen Zeiten einen Lichtblick darstellt.

Freundlichkeit verleiht Gesprächen oder Treffen mit anderen und ganz besonderen Menschen eine außerordentliche Bedeutung. Sie ist nicht nur ein netter Nebeneffekt, sondern auch eine strategische Kraft, da sie Mitmenschen dazu bringt, ihre Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen und damit Distanz in Nähe verwandelt. Vielmehr stellt Freundlichkeit eine wichtige Zutat von Menschlichkeit dar: Schon ein einziges freundliches Wort kann Brücken zwischen Kulturen bauen und Wege zwischen Menschen ebnen.

Dagegen ist die Abwesenheit von Herzlichkeit für viele von uns eine schmerzhafte Erfahrung, da aufmerksame Wertschätzung heutzutage zunehmend zur Mangelware geworden ist. Dabei ist Freundlichkeit auch noch funktional: Die Fähigkeit, freundlich zu sein und wertschätzend auf andere zuzugehen, trägt zu einem besseren Gesundheitszustand, höherer Zufriedenheit und sogar größerem Erfolg bei. Und tatsächlich zeigt sich in vielen Studien, dass je mehr Freundlichkeit wir geben, desto mehr Freundlichkeit wir auch empfangen.

Heißt (neurowissenschaftlich ausgedrückt): Es lässt sich mit Gewissheit feststellen, dass die Kraft der Freundlichkeit nicht lediglich eine metaphorische Idee ist, sondern tief in der Neurobiologie verankert ist. Viele Menschen haben das herzerwärmende Gefühl erlebt, das sie erfüllt, wenn sie „eine gute Tat“ vollbracht haben – sei es beim Helfen anderer, durch ein Kompliment oder ein Lächeln für eine eigentlich fremde Person. Dieses positive Empfinden ist nicht nur eine subjektive Erfahrung, sondern auch das Ergebnis der Ausschüttung von Neurotransmittern. Das Nervensystem reagiert auf liebevolle Handlungen, sanfte Berührungen oder Worte von Personen, zu denen wir eine positive Einstellung haben und können tiefgreifende Auswirkungen für uns haben, da sie verschiedene Hirnregionen gleichzeitig aktivieren.

Freundlich zu sein beeinflusst direkt unseren Geist und führt zur Freisetzung von Hormonen, die unsere allgemeine Stimmung und unser Wohlbefinden verbessern, was zahlreiche therapeutische Ansätze (einschließlich Psychotherapie und Meditation) belegen. Zusammengefasst bedeutet dies: Je mehr Freundlichkeit wir zeigen und je mehr Menschen wir unterstützen, desto positiver wird unser eigenes geistiges und körperliches Wohlbefinden sein.

Geschrieben von Rainer W. Sauer und © 2016 bis 2024 für BRAIN.EVENTS / CBQ & CBQ blue

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