»Der Weltraum – unendliche Weiten«: Demnächst gibt es im Rahmen meiner 24SIEBEN-Reihe ein Seminar-Event zum Thema „Das Universum in unserem Kopf“, wovon ein Programmteil „Wie denken und wie fühlen wir?“ sein wird. Um zu verstehen, worum es dabei gehen wird, wende ich mich kurz den neuronalen Funktionen und Abläufen zu, die in unseren Gehirnen entstehen, wenn wir emotional gekoppelte Gedanken haben – also jene Prozesse, die unsere Überlegungen, Einfälle und Gefühle erzeugen bzw. die Ereignisse, die mit unseren Gefühlen und Gedanken einhergehen.
Egal, ob diese Prozesse unsere Gedanken direkt erzeugen oder sie einfach nur begleiten, sollte man ein wenig mehr darüber wissen, weshalb wir tagtäglich vom urplötzlichen Geistesblitz und freudige Erinnerungen über Pläne für den nächsten Urlaub oder ein leckeres Essen, von schmerzenden Eifersuchtsszenarien bis zu Wut und Arger über Arbeitskollegen oder den Chef so viele völlig unterschiedliche Gedanken in unserem Gehirn spazierentragen über die wir höchsten mit der inneren Stimme in uns selbst reden. Dieses Wissen ist im Übrigen auch von großem Vorteil, wenn wir uns damit befassen, unser zentrales Denkorgan managen zu wollen, um zukünftig souveräner mit Emotionen wie Zorn oder Liebe umgehen zu können. – Heißt: Wir programmieren als aktive Nutzer unseres Gehirns das Gedanken-Navi in Bereiche, von denen viele Gehirninhaber nur zu träumen wagen. WIR NUTZEN DIE VIELFÄLTIGEN MÖGLICHKEITEN DES UNIVERSUMS IN UNSEREM KOPF!
Das ist ja auch die Basis dessen, worum es mir mit dem Begriff „gehirn-genial“ geht und schon immer ging. Prozesse im Gehirn sind nicht einfach nur Elektrizität und laufen auf Autopilot … obwohl viele Frauen dies beispielsweise über „schwanzgesteuerte Männer“ denken mögen. Nein: in unserem Geist (m/w/d) gibt es mehr Hirnhormone (resp. Neuro-Peptide) als sämtliche Hormone der Drüsen des Körpers, die von außen nach innen in unseren Blutkreislauf abgegeben werden. Denken und Fühlen ist demnach ein multifunktioneler Prozess, der nicht so einfach voneinander getrennt zu sehen ist, wie es die Hirnforschung noch bis in in die 1980er Jahre angenommen hat. Inzwischen geht man in der Neurowissenschaft davon aus, als seien Gedanken und Gefühle eng miteinander verknüpft, was auch durch die bildgebenden Verfahren der Hirnforschung belegt werden konnte. Denn schaut man dem Menschen beim Denken und Fühlen ins lebendige Gehirn, so stellt man fest, wie intensiv das, was wir denken mit Gefühlen verschmolzen wird und wie bestimmte Gedanken direkt das, was wir im selben Moment fühlen, auslösen. Das kann sogar soweit gehen, dass in der Erinnerung die gleichen Gedanken bzw. Erinnerungen mit dem gleichen Gefühl einhergehen, wie einst bei dem Ersterlebten.
Charles PIERCE und Joseph JASTROW forschten gegen Ende des 19. Jahrhunderts u. a. zu den Grenzen unserer Einsicht in uns selbst. In der zweiten Häfte des 20. Jahrhundert entwickelte sich dieser Ansatz zu einer eigenen Disziplin der Neurowissenschaft, als sog. „Metakognition“. Im Großen und Ganzen ermöglicht die Fähigkeit zur Selbstreflexion und zum Nachdenken über eigene Gedanken, mehr oder weniger Vertrauen in eigene Entscheidungen zu haben. Heißt: man lernt, entschlossen zu handeln, wenn man sicher ist, eine gute Entscheidung zu treffen, oder wird vorsichtiger, wenn das Gefühl vorherrscht, eine Entscheidung könnte negative Folgen mit sich ziehen könnte. Natürlich sind nicht alle Menschen „gut“ in der Metakognition. Einige neigen im Allgemeinen zu überhöhter Selbstsicherheit, andere sind in der Regel nicht besonders SELBST-BEWUSST und viele von uns sind gelegentlich immer noch sehr zuversichtlich, selbst wenn sie sich bewusst sind, dass eine getroffene Entscheidung aller Wahrscheinlichkeit nach negative Konsequenzen nach sich ziehen wird.
Neurowissenschaftlich erwiesen ist, dass sich die Metakognition im Laufe der Kindheit und Jugend entwickelt, und eine fehlerhafte Metakognition mit unterschiedlichen psychischen Störungen in Zusammenhang stehen kann, wobei wir wieder im Bereich der Gefühle und hiermit verwoberner Gedanken wären. Deshalb wurden pädagogische Instrumente und Behandlungen entwickeln, um Metakognition zu verbessern. Aber es gibt auch Ansätze, Metakognition durch Entraining der Gehirnwellen (wie beispielsweise impulsgebende neuronale Schwingungen) zu verbessern, also hierfür mentale Entspannungstechnologien zu nutzen. Jedoch nicht nur als Laie sondern auch als Experte fragt man sich: Versteht Neurowissenschaft tatsächlich, wie genau Metakognition funktioniert? Denn wie sollte unser Geist sich selbst, sozusagen aus einer Außensicht heraus, neutral betrachten können (… mit Betonung auf „neutral“)?
Was wir wissen ist, um über die eigenen Gedanken nachzudenken, muss ein menschliches Gehirn gedanklich effektiv auf sich selbst schauen. Praktisch ausgedrückt kommen einige Milliarden Neuronen in unserem Oberstübchen zusammen, um einen Gedanken, ein Gefühl oder eine Handlung zu interpretieren bzw. ausführen. In aller Regel werden sämtliche Gehirnprozesse dabei ohnehin von einer gesonderten „Instanz“ unseres Gehirn relativ neutral ausgewertet. Und über diese „Instanz“ wird heftigst gestritten. Und im zweiten Teil des Artikels wird es genau darum gehen.
Lesen Sie HIER Teil 2 des Artikels!
Geschrieben von Rainer W. Sauer und © 2024 für BRAIN.EVENTS / CBQ & CBQ blue