Neulich nannte mich ein Kind aus Spaß „dumm“. Nicht, weil es das ernst meinte – sondern weil sein / unser Gehirn so arbeitet: Es liebt Schubladen. Ein Wort, ein Bild, zack: Rolle vergeben. Und genau da beginnt „Gehirn-Genial“: Nicht beim großen Lebensplan, sondern beim kleinen Reflex.
1) Dein Gehirn ist ein Ökonom
Das Gehirn will nicht „Recht haben“. Es will Energie sparen. Dazu benutzt es: – Skripte („So macht man das.“) /// – Default-Einstellungen (Normal = richtig) /// – Mustererkennung (auch da, wo keine Muster sind)
Wenn jemand also etwas sagt, das nicht ins Standardskript passt, passiert im Kopf der anderen oft Folgendes: „Das kann nicht sein. Der/die wird sich in den Ansichten noch ändern.“ Nicht weil wir Menschen böse sind, sondern weil unsere Gehirne eine Lücke im großen „So sehe ich die Welt“-Bild vermeiden wollen. Lücken bedeuten: nachdenken und nachzudenken kostet Glukose. Das Gehirn mag keinen „unnötigen“ Energieverlust, wenn es auf Autopilot läuft.
2) Der „Rechtfertigungs-Reflex“ ist ein antrainiertes Programm
Viele Menschen hören einen klaren Satz von dir und starten automatisch das Protokoll: „Was ist die Begründung dafür?“, „Bist du sicher?“, „Hast du an später gedacht?“ oder „Was, wenn du das bereust?“ Das wirkt zwar oberflächlich verstanden wie Interesse, ist aber oft etwas etwas anderes: Sozialkontrolle, und zwar ebenfalls als eine Art Autopilot-Routine. Ein bisschen wie: „DU bist da eben falsch abgebogen, hier ist die Norm-Autobahn vorgabe von mir.“
Vera F. Birkenbihl hat immer, dass es Sender und Empfänger von Botschaften gibt und das was ausgesendet wird, kommt nicht unbedingt genau so an, wie es gemeint war. Oft sogar völlig anders. und wenn du hier anfängst, dich zu verteidigen, verstärkst du unabsichtlich das Programm deines Gegenüber. Was wiedreum dazu führt, dass denn Oberstübchen wieder etwas dazulernt: „Aha, wenn ich meine Richtung vertrete, kommt Druck auf mich zu. Also besser sollte ich das, was ich gesagt habe erklären, sollte auch mein/e Gegenüber beschwichtigen.“ Das ist es, was Neuroplastizität bedeutet.
3) „Inneres Navi“: Quelle checken
Immer, wenn man bemerken sollte, dass sich fremde Sätze im Unterbewusstsein einnisten, stelle dir eine einzige Frage: „Wer spricht da gerade in mir?“ – Ist es MEIN ICH? (Erfahrungen, Werte, Klarheit) Oder vielleicht EIN ALTES SKRIPT? (Erwartungen, Angst, Anpassungs-/Harmoniewunsch) Das, was in deinem Kopf vorgehtmusst du ent-selbstverständlichen. Das heißt: Mache das Selbstverständliche wieder sichtbar, damit du überhaupt wählen kannst, wie du weiter mit den Gedanken umgehst. Dazu passt folgene Mini-Übung (30 Sekunden):
Wenn jemand dich „anzweifelt“ oder in eine Schublade stecken will: – Innerlich denken: „Ah! Skript-Alarm.“ /// – kurz ein- und ausatmen. /// – nicht argumentieren, sondern gegenüber dem eigenen ICH benennen: „Spannend, dass du das so erwartest.“ /// – dann erst loslegen zu antworten.
Das ist ein eleganter Gehirn-Move: Du gehst eine Meta-Ebene höher. Das ist wichtig für dein Gehirn-Management, denn Gedanken-Autopiloten mögen keine Meta-Ebenen, da sie schlecht mit ihnen umgehen können.
4) Wir sind keine rationalen Wesen – wir sind rationalisierende Wesen
Menschen entscheiden oft gefühlsbasiert (oder skriptbasiert) und bauen danach die Begründung dazu. Das ist der Klassiker unter den Gedankengängen und der gilt für alle – also auch für dich. Der Unterschied ist nur: Manche Menschen merken das, während andere stets im Autopilot-Programm denken. „Schlauer werden“ / „Mehr Grips“ heißt hier nicht: MEHR WISSEN sondern: BESSER BEMERKEN, wann du in ein Muster gerätst, dass dir nicht gut tut.
Denn die Lösung des Grundproblems ist nicht die Meinung anderer Menschen – sondern wie du dein INNERES NAVI ge-updatet hast. Irgendwann kommt dieser Moment, den jeder von uns (natürlich auch ich) aus eigener Erfahrung sehr gut kennt: Du bist eigentlich klar in dem, was du willst – und trotzdem fragt ein Teil in dir „Liege ich falsch?“
Und genau hier kommt für dich die entscheidende Gehirn-Frage: „Ist das eine Erkenntnis – oder nur eine Wiederholung von Mustern?“ Denn unser Verstand hat Bereiche, in denen Wiederholung einer Art Vertrautheit erzeugt. Eine Vertrautheit die sich schnell wie Wahrheit anfühlt. Das wiederum ist ein ganz fieser Trick deines Gehirns: Je öfter du etwas hörst, desto „stimmiger“ wirkt es in deinen Gedankenspiralen – selbst wenn es Quatsch ist.
5) Gedankenfreiheit ist ein Trainingszustand
Schiller dichtete einst in seinem Don-Carlos-Drama „Geben Sie Gedankenfreiheit!“ Seinen „Geist optimieren“ heißt im Sinne meines FLEXBRAIN-Konzeptes: Man baut sich ein Inneres Navi, das nicht dauernd nach Außeninformationen navigiert. Statt „Wie finden die Mitmenschen das, was ich denke/mache? Wie urteilt die Außenwelt über mich?“ heißt es nun „Was ist stimmig FÜR MICH?“ Denn du musst dir nichts erklären oder schönreden, um es für dich zu wissen. Und rechtfertigen musst man sich ebensowenig, muss seine „Richtung“ nicht vor Gericht beweisen. Deine Sicht der Dinge (wenn du sie für dich hinterfragt hattest) ist kein Referendum, über das die anderen Menschen abstimmen dürfen/müssen/wollen.
6) Schluss mit dem „Entweder-oder“-Gehirn
Viele Diskussionen beginnen farbig, kippen aber schnell ins Schwarzweiß, sprich: richtig|falsch /// norma|unnormal /// sinnvoll|egoistisch. Das ist Steinzeitlogik im Sinne von: Der Säbelzahntiger kann überall lauern, also renne los ohne nachzudenken. Schnell entscheiden, Gefahr meiden, einfach loslegen ohne nachzudenken. Aber ein gehin-genialer Verstand kann mehr. Er beherrscht die Fuzzy-Logic, den „Sowohl-als-auch“-Kontext, inkusive vieler Nuancen. Und genau das ist die Optimierung deines Geistes. Nicht gleich in die Schublade/n springen, die andere dir öffnen.
8) Der neue Leitsatz für dich lautet daher…
Dichte ein Narrativ um, das nie deine Wahrheit war. Mache dies weder (verbal oder nonverbal) aggressiv, noch (verschlossen bzw. in sich gekehrt) defensiv. Sondern nutze es wie ein Software-Update für dein INNERES NAVI. Lösche Fremdskripts als vermeintliche Wahrheit und erzeuge in dir (mehr) innere Stabilität.
Und am Ende bleibt für dich von mir dieser Satz – quasi als GEHIRN-ANKER: Mit mir ist alles richtig … nicht weil ich perfekt bin, sondern weil ich mir wieder glaube / an mich glaube!.