Der menschliche Geist ist ein magisches Werkzeug, das schöne Dinge erfinden kann oder Lügen. Donald J. Trump / DJT nutzt ihn für beides und darüber hinaus in einer Art und Weise für seine eigenen Interessen, aus der man viel lernen kann. Denn eigentlich ist seine „America First“-Aussage nicht ganz ernst gemeint, agiert er doch seit jeher nach dem Motto „Trump First“.
Nur wenige Sekunden nach dem missglückten Mordanschlag auf ihn wird dem Instinktpolitiker und Geschäftsmann die herausragende Bedeutung dieses Augenblicks klar. Nachdem er den Leibwächtern, die ihn schnell in Sicherheit bringen wollten, zuerst klar machte, dass er sein Schuhe anziehen müsse, reckt sich Trump nur wenige Momente später aus geduckter Haltung auf, ballt die Faust und skandiert „Fight, Fight, Fight“ – ein Meisterstück der politisch-populistischen Kommunikation und Gift für den Wahlkampf seiner Konkurrenten.
Dass er damit eine perfekte Zielscheibe für mögliche weitere Attentäter abgab, war ihm in da entweder nicht bewusst oder er nahm das Risiko in Kauf, weil ihm die Macht der Bilder in diesem Moment wichtiger war. Die „Macht der Bilder“ ist ja bei solchen Events vor allem eine der Bilderflut. Dutzende Fotografen knipsen ihre Fotos – einer soll sogar die Gewehrkugel abgelichtet haben – und immer mindestens eines davon hat ikonische Wirkung. In seinem Fall war es das mit der amerikanischen Fahne hinter ihm, neben ihm ein Kevin-Koster-Lookalike, der ihm hilft, während in seinem Gesicht das Blut floss. Gäbe es die TV-Bilder nicht, viele würden denken, dass die Aufnahme gestellt wäre.
Donald J. Trump ist ein Selbstdarsteller und als solcher auf Erkennungszeichen angewiesen. In diesem Moment zwischen dem Anziehen der Schuhe und dem Emporrecken der Faust, hatte er wieder eines gefunden und wird es nutzen, um sich im Gedächtnis des amerikanischen Volkes unsterblicher [s.i.c.] zu machen, als John F. Kennedy. JFK wurde durch seinen Tod zum Märtyrer der USA, zum Nationalheiligen. Trump wird alles daran setzen, sich als etwas noch Besseres zu vermarkten. Schließlich hat er es geschafft zu überleben, ist jemand, der sich trotz größter Gefahr für Leib und Leben nicht wegduckt und dank göttlicher Vorsehung überlebt. Und auch noch diese Faust erhebt: die Faust eines Unverwundbaren. Keine Frage: Die Bilder des blutverschmierten Donald Trump mit der emporgerichteten Faust werden in die Geschichtsbücher Einzug halten.
Darüber hinaus ist Trumps Reaktion unmittelbar nach dem Attentat ein Meisterwerk der politischen Kommunikation. Vieles an Donald Trump ist zu kritisieren, doch er versteht es wie kaum ein Zweiter, schwierige Situationen für sich und seine Zwecke zu nutzen. Und natürlich wusste er nicht nur um die Macht der Bilder sondern auch um die Symbolkraft der geballten Faust. Denn die wirkt kämpferisch und kraftvoll, fordert zugleich aber auch zur Solidarität auf. „Kämpft mit mir“, sagt die Geste, die man früher eher mit linken Bewegungen verband. Bekannt ist auch die „Black-Power-/Black-Lives-Matter-Faust“. Doch an diesem Tag des Attentats auf sich verkürzt er das Ganze noch einmal auf eine einzige Silbe: „Fight!“
Der Kampf der alten Männer um das Weiße Haus im November hat so schon jetzt einen klaren Sieger. Wann immer Donald J. Trump von nun an die Faust benutzten wird, erinnert man sich daran, dass er für sein Land fast gestorben wäre. Und noch etwas zu DJT:
Ich habe ja schon oft meine SA5 Stufen-Anwendungen erklärt und in verschiedensten Zusammenhängen vorgestellt. Donald Trump hat auch eine 5-Stufen-Anwendung, die er seit vielen Jahren kontinuierlich anwendet, wenn er in Schwierigkeiten steckt: Phase 1 = auf Angriff umschalten /// Phase 2 = leugnen, leugnen, leugnen /// Phase 3 = eine Geschichte erzählen, die nicht stimmen muss, sich aber gut anhört /// Phase 4 = sich beleidigt als Opfer inszenieren /// Phase 5 = siegen, siegen, siegen. (Siehe hierzu auch den Film „The Apprentice“!)
Geschrieben von Rainer W. Sauer und © 2024 für BRAIN.EVENTS / CBQ & CBQ blue