DIE TOP 10 DER SELBST-COACHING-TRICKS (4) | „BEWUSST WIE“: Nutzen Sie gehirn-geniale Tricks für sich

Kennen Sie das Phänomen: manche Menschen erledigen Dinge mit einer Leichtigkeit, die uns selbst fremd ist, weil wir so etwas nicht können. Zahlen merken, Bierflaschen mit dem Feuerzeug entkorken, Lösungen für Probleme entwickeln. Die Wahrnehmung ist aber nur vordergründig zutreffend, zeigt sie doch auf, was das selbst eingeschätzte Problem ist. Was wir weder wissen noch erkennen können ist, in wieweit die Menschen, die uns in irgendeiner Art und Weise überlegen zu sein scheinen, ihre Fähigkeit/en erworben haben.

Es ist wie bei einem Zaubertrick, den wir aufmerksam beobachten und der uns teils Bewunderung, teils Respekt abnötigt. Er ist mysteriös und faszinierend zugleich. Wenn wir jedoch offenbart bekommen, wie das Ganze funktioniert (um die Jahrtausenwende gab es z. B. eine TV-Sendung, in der „Der Maskierte Magier“ die Tricks der größten Zauberer enthüllte), verpuffen in Sekunden Bewunderung und Faszination und wir sagen uns: Ach, so einfach geht das.

Auch die Menschen, die etwas mit einer Leichtigkeit erledigen, die uns fremd ist, haben ihre gehirn-genialen Tricks, mit denen sie arbeiten. Kennt man sie, dann fallen einem viele Dinge mit einem Mal ganz leicht. Beginnen Sie damit, für sich die Grundbedingungen eines Ablaufs zu verbessern und zwar dadurch, dass sie so viel wie möglich darüber in Erfahrung bringen. Ein Beispiel: Wie viel Sinn macht es, irgendwohin auszuwandern und dort fortan den Lebensunterhalt zu verdienen, wenn man bereits im eigenen Land an den essentiellen Voraussetzungen einer Tätigkeit – im schlimmsten Fall auch finanziell – gescheitert ist. Oft sind Auswanderer (so kann man es im TV-Format „Goodbye Deutschland“ immer wieder feststellen) noch nicht einmal der neuen Landessprache mächtig, so dass es ihnen zusätzlich unmöglich ist, Marktforschung für ihre Geschäftsidee zu betreiben.

Selbst die erfolgreichen Auswanderer mit ausreichend Kapital und besten Voraussetzungen müssen sich durchbeißen, den Erfolg kommt nicht vom ausruhen sondern ist harte Arbeit. Natürlich gibt es Beispiele, bei denen schlecht vorbereitete Auswanderer offensichtich schnellen Erfolg haben. Aber das sind die Helmut Schmidts unter den Kettenrauchern, die fast 100-jährig mit der Kippe im Mund an Altersschwäche sterben … im Gegensatz zu den in Deutschland gut 46.000 Rauchern jährlich, bei denen Kehlkopf-, Luftröhren- oder Lungenkrebs die Todesursache ist. Sich davon leiten zu lassen ist so, als wolle man sich mit Einhörnern messen – „Don’t compete with unicorns“, denn das ist fahrlässig und dumm.

Nachhaltigen Erfolg gibt es nicht für lau, das spüren wir in unserem Innersten – er ist immer mit Training und Arbeit verbunden, mit Disziplin und Pflicht. Und Sportler berichten uns, dass es noch nicht einmal eine Garantie für Erfolg gibt, denn das Ganze ist auch von vielen anderen Faktoren abhängig, beispielsweise dem körperlichen Aspekt oder dem richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Es ist eine Kette von Zusammenhängen, die sich beliebig ergänzen lässt. Aber diese Kette hat eines als erstes Glied: Um die Grundvoraussetzungen einer Sache zu wissen, ist essentiell. Nur mit einem Tennisschläger kann man keinen Erfolg haben, wenn einem die Tennisbälle fehlen. Damit fängt alles an oder anders ausgedrückt: Wenn ich noch nicht einmal die Sprache eines Landes beherrsche, in das ich auswandere – also das Lesen und Schreiben –, bin ich von vorn herein zum Scheitern verurteilt. So wie Vera F. Birkenbihl, die Mitte der 1960er Jahre für sieben Jahre in den Vereinigten Staaten lebte.

Sie entwickelte damals intuitiv für sich selbst eine Lernmethode, mit der sie sich Englisch einfach und effektiv beibrachte. Anstatt Vokabeln und Grammatikregeln auswendig zu lernen, tauchte sie von Anfang an in die neuen Wörter ein und decodierte sich so schnell ein prinzipelles Verständnis für Texte und damit das Sprachgefühl. Die 2011 verstorbene Managementtrainerin, Sachbuchautorin und Expertin für gehirn-gerechtes Lernen und Denken wusste: Ein gutes Gedächtnis hat nicht jeder, aber jeder Mensch kann es sich antrainieren. Ältere wie junge Menschen können mit effektiven Übungen ihr Gedächtnis und dadurch auch ihre Merkfähigkeit trainieren; das Gehirn ist neuroplastisch und es gibt kein Alter, in dem das nicht funktioniert.

Menschen mit weit überdurchschnittlicher Merkfähigkeit, man nennt sie auch Gedächtniskünstler, nutzen spezielle Techniken, um sich große Mengen von Informationen zu merken, was häufig auf Mnemotechniken zurückzuführen ist, wenn die Einhörner unter ihnen solche Fähigkeiten nicht schon von früher Kindheit besitzen. Ein normaler Mensch braucht, um sich Dinge gut merken zu können, noch nicht einmal komplexen Strategien zu erlernen, denn Gedächtnistraining kann man ganz einfach mit verschiedenen Spielen und Übungen in seinen Alltag einbauen. Zum Beispiel mithilfe von Mnemotechniken. Da wird die merkwürdige Mini-Story über das Einbein, das Zweibein, das Dreibein und das Vierbein plötzlich ganz einfach (… und sie werden sie ein Leben lang nicht mehr vergessen …).

Soweit so gut. Eine schwierig zu merkende Geschichte, oder? Jedenfalls, wenn man das Prinzip der Codierung nicht kennt. Laut Birkenbihl geht uns Wissen verloren, wenn wir es nicht richtig an das Wissensnetz unseres Gehirns „andocken“ können. Also decodieren wir die Geschichte. ursprünglich lautete sie nämlich so:

Ein Mann (= das Zweibein) sitzt auf einem Hocker (= das Dreibein) und hat ein Einbein (= ein Eisbein) vor sich. Da kommt ein Hund (= Vierbein) und nimmt dem Mann das Eisbein weg. Der ist darüber so verärgert, dass er den Hocker nach dem Hund wirft.

Das ist das ganze Geheimnis. „Gewusst wie“ – nein, noch besser: „Bewusst wie“ – hilft uns durch die Mnemotechniken, komplexe Sachverhalte im Gedächtnis zu behalten. Und darüber hinaus auch Zusatzinfos gleich mit zu vernetzen, also „der Mann war hungrig“, „der Hund war frech“ aber auch „man darf keine Tiere quälen oder verletzen“. Vegetarier unter uns mögen sich auch merken: „Mit Möhre wär das nicht passiert“ und so weiter. Oft gelingt sogar ein DoppelPlus: mitgespeichetr werden das Aussehen von Orten und Räumen, Gesichter oder Gerüche. Am Ende weiß man: Es ist (… Einhörner weggedacht …) kein Phänomen, dass manche Menschen bestimmte Dinge mit Leichtigkeit erledigen. Eigentlich ist es ganz einfach.

Geschrieben von Rainer W. Sauer und © 2021 für BRAIN.EVENTS / CBQ Verwaltungstraining

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