三猿 MIZARU, KIKAZARU, IWAZARU | Wie man die Weisheit der drei Affen beim Coaching nutzen kann

Rainer W. Sauer ist seit 1975 in und mit der Verwaltung tätig. Er zählt zu den erfahrensten Verwaltungstrainern in Deutschland und ist zudem Team- und Individual-Coach. Sauer arbeitet auch als Radiomoderator, Vortrags- bzw. Keynote-Redner, entwickelt mit seinem Team Trainingsmodelle und hat 2020 CBQ Verwaltungstraining gegründet, um Führungskräfte wie Mitarbeitende der Öffentlichen Verwaltung optimal zu trainieren bzw. zu coachen. /// Anhand vielfältiger Praxisbeispiele hilft er in diesem Blog Verwaltungen dabei, Optionen zu entwickeln und diese dann in praxisorientierte Ergebnisse zu wandeln, eigene Stärken auszubauen und sinnvoll zu handeln. Dabei regt er an, keine Ausreden gelten zu lassen, Eigenverantwortung zu übernehmen und lateral zu denken. /// Sein Charisma ist auch über den Äther und im Netz zu erleben: Anfang der 2000er Jahre wurde Rainer W. Sauer für seine Radiosendungen mit mehreren Hörfunkpreisen ausgezeichnet.


Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie stark asiatische Weisheiten den Weg in unser tägliches Leben gefunden haben. Über den guten Koch, der auch immer ein guter Arzt ist, hatte ich bereits an anderer Stelle berichtet. Diesmal geht es um „mizaru (見ざる), kikazaru (聞かざる), iwazaru (言わざる)“ – allgemein bekannt als die Weisheit der drei Affen, also „ich sehe nichts, ich höre nichts, ich sage nichts“. Ausführlich erläutert meint dies…

„Was nicht dem Gesetz der Schönheit entspricht, darauf schaue nicht, darauf höre nicht, davon rede nicht.“ (Konfuzius: „Lun Yü / Gespräche“ – Buch 12)

Da im klassischen Japanisch die grammatische Form „zaru“ (ざる = die Verneinung einer Tätigkeit) ähnlich ausgesprochen wird wie „saru“ (猿 = Affe) ergab sich die Verbindung der drei Affen mit dem moralischen Leitsatz des Konfuzius wahrscheinlich als zufälliges Wortspiel. Wohl in diesem Zusammenhang entstand der Glaube von den drei weisen Affen. Dem Brauchtum nach sollten diese an den Kalendertagen des „Metall-Affen“ (庚申 = kōshin) den Göttern über die Menschen berichten, was zur allgemeinen Verbreitung des Drei-Affen-Motivs geführt hat.

Während die drei weisen Affen in Japan eigentlich die positive Bedeutung haben, über Schlechtes weise hinwegzusehen, werden sie in unserer westlichen Welt regelmäßig als Symbol dafür interpretiert, Dinge nicht wahrhaben zu wollen, weshalb die drei Affen häufig als negatives Beispiel dienen sollen. Das wiederum geht wohl auf ein mittelalterliches Sprichwort zurück, welches besagt „Audi, vide, tace, si tu vis vivere pace“ (zu deutsch: „Höre, sieh und schweige, wenn du in Frieden leben willst.“).

Im Coaching gibt es für den Coach die Verhaltensregel, nicht vorschnell zu urteilen, also auch nicht (vorzuver)urteilen. In Kenntnis des sog. „Halo-Effekts“ ist es wichtig, den Coachee aufmerksam zu beobachten und an dessen Verhalten festzustellen, wie er / sie auf bestimmte Sachverhalte reagiert oder wie diese von ihr / ihm dargestellt werden. Solch emotionale Distanz hilft dabei, die Angelegenheiten neutral zu analysieren und die bestmögliche Hilfestellung zu bieten um auch dem Pendant zum Halo-Effekt, dem erstmals von Edward Lee Thorndike beschriebenen „Horn-Effekt“, sprichwörtlich nicht auf den Leim zu gehen. Auch er ist ein Wahrnehmungsfehler, bei dem zuweilen schon eine einzige (negative) Eigenschaft des Gegenbüber ausreicht, ein einziges falsches Wort, ein wie auch immer verpatzter erster Eindruck, um ihm / ihr aus diesem Verhalten schlussfolgernd auch in anderen Bereichen Defizite zu unterstellen. Immer auf diesen Horn-Effekt fixierend, wird dann das nachfolgende Verhalten anders aufgenommen als es vielleicht gemeint ist. Damit bliebe im Coaching vordergründig allein die dritte Komponente der Affen-Weisheit erhalten: das (erst einmal) nichts sagen.

Im Detail betrachtet sind für mich aber auch das Nicht-Sehen und das Nicht-Hören wichtige und mit den Halo-/Horn-Effekten verbundene Elemente des Coachings und zwar in dem Sinne, dass man als Coach niemals über den ersten Eindruck eines Klienten / einer Klientin urteilen darf (beispielswiese „Das ist ja eine merkwürdige Kleidung“) sondern diesen Eindruck wertfrei zur Kenntnis nehmen hat („Das ist also ihre / seine Kleidung“) und auch nicht auf alles hören sollte, was berichtet wird, sondern sich eine Meinung darüber bildet, was der tiefer Sinn dessen ist, was erzählt wurde, also: Hat der Coachee vielleicht schon die Lösung seines Problems selbst im Kopf, sieht sie nur noch nicht. – Ich hatte ja bereits an anderer Stelle darüber berichtet, dass es für alles eine Lösung gibt, man / frau sie aber oft genug (noch) nicht sieht.

Geschrieben von und © 2020 für Rainer W. Sauer / CBQ Verwaltungstraining

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